Niko Caniglia ist die Wundertüte im Team der eRothosen

23.02.2021 / 19:35 Uhr

Es ist angerichtet: Niko Caniglia sitzt gespannt am Monitor. Gleich startet die Partie gegen Sandhausens Dennis Ferreira da Fonseca. Am 20. Spieltag braucht das eSports-Team des FC Würzburger Kickers unbedingt einen Sieg gegen den Tabellenletzten, um seinem Ziel, der Qualifikation für die deutsche Meisterschaft, einen großen Schritt näher zu kommen. Wie auch in den vorherigen Partien ist Caniglia, der unter den Zockern Niko29Caniglia10 genannt wird, „meganervös“ – und das, obwohl er sich gut eingespielt hat.

 

Zu sehr unter Druck gesetzt

 

Mit seinen Mitspielern zockt er sich stets die Finger warm an der Konsole. Zwar reicht es wenig später zum 2:1-Sieg im Auftaktmatch gegen die Gamer vom Hardtwald, wirklich souverän spielt der 21-Jährige aber nicht. Selbst nach einer komfortablen und verdienten 2:0-Führung spielt er nicht befreit auf. Das fällt auch Teammanager Marvin Hintz auf: „Seine größte Schwachstelle ist seine Mentalität. Er macht sich vor den Partien immer immensen Druck. Deshalb hat er bisher nicht das abgerufen, was er eigentlich kann.“ 

 

Und das sei einiges, findet Hintz: „Er ist der Offensivstärkste unseres Quartetts und ist ein unfassbar starker FIFA-Spieler. Wäre da nicht seine Nervosität und der Druck, seine Mannschaftskollegen nicht enttäuschen zu wollen. Aber das bekommen wir noch hin. Schließlich ist er noch jung.“ Auch Caniglia weiß um seine Schwachstelle, an der er intensiv arbeitet. Denn auch er ist mit seiner bisherigen Saison nicht zufrieden. Gerne hätte er mehr gespielt. Aber: „Ich habe schlichtweg nicht die Leistungen gebracht, die ich bringen kann. Deshalb beschwere ich mich nicht. Ich kann mehr, als ich aktuell zeige.“

 

Elfter Platz bei den deutschen Meisterschaften 2020 als Referenz

 

Durch einen starken elften Platz bei den deutschen Meisterschaften 2020 war Hintz auf den gebürtigen Stuttgarter mit italienischen Wurzeln aufmerksam geworden und hat ihn im vergangenen Sommer unter Vertrag genommen. Caniglias erster Profi-Vertrag überhaupt: „Das war schon etwas Besonderes und hat mich sehr stolz gemacht, gleich bei meiner ersten Station in der Virtual Bundesliga zu spielen und den FC Würzburger Kickers vertreten zu dürfen.“ Seitdem trainiert das jüngste von sechs Geschwistern noch mehr als zuvor, um noch besser zu werden. Denn er möchte die Chance, die Hintz ihm geboten hat, unbedingt nutzen.

 

Davor hatte Caniglia ausschließlich Turniere gespielt. Erst regional, dann auch national. Stets erzielte er gute Ergebnisse, auch bei offiziellen EA-Sports-Wettbewerben wie dem FUT Champions-Cup. Auch in der Weekend League gehört der Schwabe zu den besten Gamern der Welt. „Ich bin nach wie vor ein Ultimate-Team-Fan“, ist er ehrlich. Dennoch kritisiert auch er, wie jüngst Schalke-eSports-Profi Tim Latka, die horrenden Summen, die Spieler in ihre Teams investieren. Deshalb habe auch er sich in dieser Saison bisher zurückgehalten und weniger Geld eingesetzt. Seinem Spiel und den Ergebnissen hat es – zumindest in der Weekend-League – nicht geschadet.

 

Caniglia steht für attraktiven Offensivfußball

 

Guten und erfolgreichen Offensivfußball möchte der 21-Jährige, der sich selbst als Familienmensch bezeichnet, nun auch in der Endphase der VBL zeigen und den Sprung zur deutschen Meisterschaft schaffen. Schließlich tauge ihm der 90er-Modus. Dieser sei fairer und der stärkere Spieler gewinne die Spiele. Die Daumen drücken den eRothosen dabei auch die Kickers-Profis. „Ich schreibe regelmäßig mit einigen Spielern. Das ist schon cool, die Unterstützung zu spüren und positives Feedback zu bekommen“, freut sich Caniglia über die Resonanz aus den Reihen der Zweitliga-Mannschaft, der der Schwabe natürlich beide Daumen drückt für das Erreichen des Klassenerhalts. 

 

Alles oder nichts

 

Nach der Gefühlsachterbahn am vergangenen Doppelspieltag mit dem starken Auftritt gegen die Frankfurter Eintracht (7:1) und der unerwarteten Niederlage gegen Sandhausen (3:6) warten am Mittwoch nun die eSportler des SSV Jahn Regensburg (18:00 Uhr) und der TSG Hoffenheim (20:00 Uhr, beide Partien live unter twitch.tv/wuerzburger_ekickers). „Natürlich war der Leistungsunterschied schwer nachvollziehbar. Dementsprechend gedrückt war die Stimmung. Aber die Jungs geben nie auf. Sie sind wieder vollmotiviert und pushen sich gegenseitig. Die kommenden beiden Partien werden ein kleines Finale. Es geht um alles oder nichts“, weiß Hintz und hofft natürlich auf eine zweistellige Punkteausbeute. Schließlich wollen die Kickers-Profis und die eRothosen am Ende der Saison gemeinsam jubeln.

Alex "Viper" Dratzidis - Der Allrounder im Team der eRothosen
02.02.2021
Starker Saisonstart: eKickers holen zum Auftakt sechs Punkte
15.11.2020
eSport: Kickers starten am 11. November gegen Augsburg in die Virtual Bundesliga
29.10.2020