17.03.2017

Daniel Sauer: „Den Weg weiter alleine zu gehen, macht keinen Sinn!“

 Im Interview mit fwk.de und den 1907 News spricht Vorstandsvorsitzender Daniel Sauer mit aller Klarheit über die Probleme der Rothosen, mangelnde Unterstützung und die Tatsache, dass es Menschen gibt, die mit ihrer Einschätzung zur Lage bei den Kickers meilenweit daneben liegen. „Für uns“, sagt Sauer, „hat der Abstiegskampf nicht erst jetzt, sondern schon mit dem ersten Spieltag begonnen. Manche träumen und vergessen dabei, was es für einen kleinen Verein wie uns überhaupt bedeutet, den Überlebenskampf im Haifischbecken 2. Liga zu führen.“ 

 

Gerade in Zeiten wie diesen, zeige sich, wessen Herz für den Profifußball in Würzburg schlägt, wer sich auf die Seite des krassen Außenseiters schlägt und mit ihm auch durch Dick und Dünn geht: „Nur in Würzburg weiß und macht man es offenbar besser als in anderen 55 Kommunen, in denen der Profifußball mit Leidenschaft und pragmatischen Lösungsansätzen bei politischen Entscheidungen unterstützt wird."

 

Die Kickers sind der einzige Zweitligist, der in diesem Jahr noch keinen Sieg eingefahren hat – eine neue Situation für den Verein, wie gehst Du damit um?

Daniel Sauer: Mit der notwendigen Ruhe, die es auch in solchen Phasen, die zum Sport gehören, braucht. Was mich vielmehr stört, ist die Tatsache, dass es Menschen gibt, die uns jetzt eine Krise einreden wollen. Das ist doch Quatsch. Für uns hat der Abstiegskampf nicht jetzt, sondern schon mit dem ersten Spieltag begonnen. Unser Trainer Bernd Hollerbach hat vollkommen recht, wenn er sagt, dass es ihm egal ist, zu welchem Zeitpunkt wir die Punkte holen. Entscheidend ist die Endabrechnung. Da wollen wir über dem Strich stehen. Dafür legen wir uns alle, angefangen vom Trainerteam über die Mannschaft bis hin zu allen auf der Geschäftsstelle, jeden Tag aufs Neue ins Zeug. Jeder, wirklich jeder, hinterfragt sich ständig selbst.

 

Für uns hat der Abstiegskampf schon mit dem ersten Spieltag begonnen.

Daniel Sauer


Übrigens: Wir waren es, die immer betont haben, dass das eine ganz, ganz schwere Saison wird. Das wollte bloß nicht jeder hören. Schon gar nicht nach dem 3:0 vor der Winterpause gegen Stuttgart, da haben viele die Orientierung verloren. Es gab Menschen, die Traum und Wirklichkeit verwechselt haben. Wir aber kennen unsere limitierten finanziellen und infrastrukturellen Voraussetzungen. Sollten wir es am Ende gemeinsam mit unseren treuen Fans packen, in der Liga zu bleiben, hätten wir zusammen ein größeres Wunder vollbracht als es die beiden Aufstiege ohnehin schon waren. Das wäre einmalig in Deutschland. Kleinster Etat, größte Defizite in der Infrastruktur und trotzdem noch dabei. Noch aber ist es noch nicht so weit, und es liegt weiterhin harte Arbeit vor uns.

 

Ein Wunder deshalb, weil die Rahmenbedingungen in Würzburg weiterhin nicht die besten sind?

Daniel Sauer: Absolut. Sind wir doch ehrlich: Welch anderer Profiklub arbeitet unter solch grenzwertigen Voraussetzungen? Auch einigermaßen vergleichbare Standorte wie Sandhausen, Heidenheim oder Aue, die zu Unrecht belächelt werden, sind uns Lichtjahre voraus. Nicht zuletzt deshalb habe ich ganz großen Respekt vor der Arbeit, die unser Trainer Bernd Hollerbach hier mit seinem Team leistet. Ich glaube, es gibt in Deutschland nicht viele Trainer, denen das überhaupt zuzumuten wäre. Die meisten würden unter diesen Voraussetzungen auf dem Absatz kehrtmachen und uns fragen, ob wir noch alle Tassen im Schrank haben. Alleine schon die Trainingsbedingungen. Da spielen wir, was das angeht, aktuell allerhöchstens Regionalliga. Ich würde sogar sagen, Bayernliga.

 

Was die Trainingsbedingungen angeht, spielen wir aktuell allerhöchstens Regionalliga. Ich würde sogar sagen, Bayernliga.

Daniel Sauer

 

Hier in der Region gibt es noch kein wirkliches Bewusstsein dafür, was es heißt, Profifußball zu spielen und ihn zu etablieren. Wir alleine als kleiner Verein können das nur bedingt schaffen, strecken uns schon längst bis zur Decke. Wir bekommen tolle Unterstützung seitens des DFB und der DFL, wenn es beispielsweise um organisatorische Dinge oder inhaltliche Weichenstellungen geht. Ich ziehe meinen Hut vor Thorsten Fischer, der trotz aller Widrigkeiten weiterhin vorangeht und intensiv nach Lösungen für uns sucht. Ich weiß aber nicht, wie lange er dazu überhaupt noch Lust hat. Keiner könnte ihm böse sein, würde er sagen: Ich habe alles versucht, aber zu wenige wollten den Weg mit uns gehen, das war’s dann!

 

Die Politik aber bemüht sich doch, um Lösungen zu finden.

Daniel Sauer: Ja, das bestreite ich auch gar nicht und es ist auch zu begrüßen, wie sich unser Oberbürgermeister Christian Schuchardt mit seinem Team ins Zeug legen. In der Gesamtheit der politischen Entscheidungsträger der Region aber hat dieser Mehrwert schlicht keinen Stellenwert. Steuern, Arbeitsplätze, Marketing, Tourismus – all das und noch viel mehr liefert der Profifußball für Stadt und Region. An allen anderen 55 Standorten hat man das erkannt, nur in Würzburg weiß und macht man es offenbar besser als in anderen 55 Kommunen, in denen der Profifußball mit Leidenschaft und pragmatischen Lösungsansätzen bei politischen Entscheidungen unterstützt wird.

 

Wenn Dir keiner zur Seite springt, siehst Du ganz schnell alt aus.

Daniel Sauer


Wem nutzt es denn, wenn am Ende im Zeugnis steht, der Schüler hat sich bemüht, ist aber trotzdem durchgefallen? Dann ist das Schuljahr vorbei und das Klassenziel verfehlt. Punkt. Die Kickers kämpfen aktuell mit ganz stumpfen Waffen, wenn wir sehen, dass Union Berlin beispielsweise ein Nachwuchsleistungszentrum bekommt, ohne dabei viel eigenes Geld in die Hand nehmen zu müssen – und der Berliner Senat ist sicherlich nicht für volle Haushaltskassen bekannt, trotzdem geht’s, weil man um die Bedeutung weiß. In Aue baut und betreibt der Landkreis ein Stadion, Dresden hat jetzt grünes Licht von Stadt und Land für ein Trainingsgelände erhalten, das über 15 Millionen Euro kostet. Das alles lässt sich für uns durch enormen Einsatz und unbändigen Willen aller eine Zeit lang auch überbrücken, wenn Dir dann aber keiner zur Seite springt, siehst du ganz schnell alt aus. Vor nicht ganz drei Jahren haben wir die Region gefragt, ob sie Profifußball will. Diese Frage muss jetzt auch wieder gestellt werden dürfen. Nichts Anderes tun wir.

 

Das klingt nach Wachrütteln, oder?

Daniel Sauer: Nein, es geht doch vielmehr darum, zu zeigen, was möglich ist. Wir sind vor drei Jahren mit dem Versprechen gestartet, Würzburg auf die Drittliga-Landkarte zu bringen. Viele haben gelacht, aber wir haben geliefert. Schneller sogar, als wir es selbst für möglich gehalten hatten. Klar kam das alles zu früh. Wir hatten kurzfristig auch ernsthaft überlegt, auf Liga 2 zu verzichten. Das wäre aber das falsche Signal gewesen. Wer weiß, wann es diese Chance überhaupt noch einmal gegeben hätte. Wir haben uns gesagt, dass wir alles daran setzen werden, um den Überlebenskampf, und nichts Anderes ist diese 2. Liga in der heutigen Form für uns, anzunehmen. Wir haben es zusammen geschafft, Bernd Hollerbach hat sportlich Großartiges geleistet, obwohl er keinen dieser Riesen-Budgets hatte wie andere Klubs. Er hat Spieler, die nicht die großen Namen tragen, jung sind und anderswo nicht Fuß gefasst haben, weiterentwickelt und aktuell dazu gebracht, dass die Mannschaft zusammen bislang 29 Punkte als Aufsteiger geholt hat. Vor Saisonbeginn hatte uns das keiner zugetraut – und genau diejenigen kommen jetzt hervor und meinen, von einer Krise sprechen zu müssen. Jetzt zeigt sich, wer es ernst mit den Kickers meint. In anderen Städten stehen namhafte Klubs sportlich schlechter da – aber dort gibt es ein Jetzt-erst-Recht-Gefühl, da wird positiv gedacht, mit ganz viel Herz, Rat und Tat unterstützt. Und das deshalb, weil die Angst umgeht, etwas Liebgewonnenes zu verlieren. Wohl auch deshalb, weil sie dort schon gesehen haben, was es heißt, aus der 2. Liga absteigen zu müssen und festgestellt haben, dass der Region etwas fehlt.

 

Wir schwimmen in einem Haifischbecken, dort wird keine Rücksicht genommen.

Daniel Sauer

 

Wir jammern nicht, aber alle, die sich mit uns beschäftigen, müssen wissen, dass wir in einem Haifischbecken schwimmen, dort wird keine Rücksicht auf einen Frischling genommen. Da bekommst Du keine Schonfrist. Da braucht es Lösungen und auch einen Schulterschluss mit der Kommunalpolitik. Den Weg weiter ganz alleine durch all die Unwägbarkeiten zu gehen, macht keinen Sinn. Wir müssen unsere Chance erkennen und sie ergreifen – dazu aber braucht es Unterstützung. Unterstützung, die woanders eine Selbstverständlichkeit ist. Dafür müssen und werden wir weiter kämpfen.

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