13.06.2012

Interview


Von Werder, den Kickers und der Sbornaja

Publikumsliebling und Ex-Profi Sergey Zimin über seinen schleichenden, fußballerischen Abschied

Sergey Zimin (32) ist der Publikumsliebling beim FC Würzburger Kickers. Mit zwei Toren in der Relegation schoss der Mittelstürmer seinen Klub in die Regionalliga Bayern. Im zweiten Spiel gegen den BC Aichach wurde der Goalgetter in der 88. Minute unter großem Beifall ausgewechselt. Es war sein letztes Spiel für die erste Mannschaft. Zukünftig will der Russe das Hauptaugenmerk auf den Beruf und die Familie legen. Zimin wird aber als Assistenz-Trainer der zweiten Mannschaft, die in die Bezirksliga aufgestiegen ist, weiter für die Kickers aktiv sein. Er will sich dort auch fit halten, um im Notfall für die erste Riege einspringen zu können. Wir sprachen mit dem Mann aus St. Petersburg, der mit 18 Jahren nach Deutschland kam.

FuPa: Hallo Sergey, zunächst Gratulation zum Aufstieg. Habt Ihr schön gefeiert?

Sergey Zimin: Oh je. Vier Tage lang ging es rund. Am Abend nach dem Spiel gab es noch einen Auto-Corso mit 30 Fahrzeugen durch die Würzburger Innenstadt. Dann sind wir rauf zur Burg, haben ein Plakat aufgehängt, dass die Kickers nun Nummer eins in der Stadt sind. Es waren tolle Tage. Aber jetzt muss ich wieder arbeiten. Irgendwann muss es auch mal wieder normal werden.

FuPa: Du hast schon im Hinspiel in Aichach beim 3:0-Sieg ein tolles Tor kurz vor Schluss gemacht, das war das 3:0. Im Rückspiel hast Du dann ein sensationelles Tor zum 1:1 erzielt, fast von der Außenlinie. Erzähl doch mal, wie du das gemacht hast?

Sergey Zimin: Fazdel Tahir hat den Freistoß rausgeholt. Ich habe dann zu Frank Wirsching gesagt, dass ich rechts raus gehe und er mir den Ball zuspielen soll. Der Ball kam dann auch, aber ich habe ihn erst kurz vor der Torauslinie bekommen. Dann habe ich mir gedacht, probier es einfach. Ich habe den Ball dann optimal getroffen und auf einmal war der oben im Kreuzeck drin. Das war natürlich ein tolles Tor. Mein Ziel war es eigentlich, dass in der Mitte vielleicht einer den Ball ins Tor lenken wird, aber dann hatte ich selber getroffen. Es war ein typisches Zimin-Tor, denn ich habe schon einige spektakuläre Treffer in meiner Laufbahn erzielt. So einen Schuss aber könnte ich wohl nie mehr wiederholen, auch nicht, wenn ich 100 Versuche hätte. Das war einmalig.

FuPa: Du bist nun verabschiedet worden, hörst in der ersten Mannschaft auf. Du hattest aber vor der Relegation deinem Trainer Dieter Wirsching ein Versprechen gegeben. Was war das für eines?

Sergey Zimin: Ganz einfach. Ich habe nur gesagt: Dieter, zum Abschied schieße ich uns rauf in die Regionalliga Bayern. Und es hat geklappt.

FuPa: Nun hörst du also auf. Welchen Grund hat dein Rückzug, denn du bist ja mit 32 Jahren im Moment in der Form deines Lebens?

Sergey Zimin: Ich höre ja nicht ganz auf. Ich werde in der zweiten Mannschaft Trainerassistent von Roman Ginel. Die Zweite ist in die Bezirksliga aufgestiegen. Ich werde dort auch spielen und mich fit halten. Wenn Dieter mich braucht, dann spiele ich auch nochmal in der Ersten. Aber das wird kein Dauerzustand mehr sein. Ich habe einen neuen Job und will mich jetzt mehr auf den Beruf konzentrieren. Das ist wichtig für die Zukunft. Auch für meine Familie möchte ich mehr Zeit haben. Es ist meine Entscheidung. Ich werde aber auf jeden Fall immer bei den Kickers bleiben. Meine Entscheidung vor drei Jahren hierher zu wechseln war die beste in meinem Fußballer-Leben.

FuPa: Du hast ja zuerst in Bremen, dann in Emden, Wilhelmshaven und Cloppenburg, also im Norden der Republik gespielt. Wie kam das damals?

Sergey Zimin: Ich hatte bei Zenit St. Petersburg in meiner Heimatstadt mit 16 Jahren schon einen Profivertrag. Ich bin dann unter anderem von Thomas Schaaf entdeckt worden. Der hat mich dann zu Werder Bremen geholt. Schade, zu einem Bundesliga-Einsatz hat es nicht gereicht. Ich war aber ein paar Mal knapp dran. Schön war die Deutsche Meisterschaft mit der U19 von Werder 1999. Auch die Zeit in Emden in der dritten Liga war toll. Fünf schöne Jahre mit mehr als 100 Toren hatte ich in Wilhelmshaven. Nur in Cloppenburg habe ich mich nicht so toll präsentiert. Bei den Kickers hatte ich dann in der Saison 2010/11 ein ganz tolles Jahr mit 32 Toren. Ich bin überhaupt sehr froh hier nach Würzburg gekommen zu sein.

FuPa: Die Europameisterschaft hat gerade begonnen, Rußland hat zum Auftakt Tschechien mit 4:1 geschlagen. Wie wird dein Heimatland bei der EM abschneiden?

Sergey Zimin: Der Auftakt ist gelungen, es war ein verdienter Sieg. Rußland hat da schon sehr gut gespielt. Ich hoffe, dass sie an die Leistung von vor vier Jahren anschließen können. Da sind wir Dritter geworden und den dritten Platz, also das Halbfinale, traue ich der Mannschaft auch dieses Mal wieder zu.

Das Interview führte Dirk Meier von FuPa.net

 

 

Infos zu Sergey Zimin:

Sergey Zimin wurde in St. Petersburg in der damaligen UdSSR geboren und ist 32 Jahre alt. Zimin ist verheiratet und hat zwei Söhne. Ilija ist sechs Jahre, Enrico 11 Jahre alt. Zimin begann mit dem Fußball bei Zenit St. Petersburg. Im Alter von 16 Jahren erhielt er dort einen Profivertrag. Nach zwei Jahren wechselte Zimin nach Deutschland zum SV Werder Bremen. Der dortige Trainer Thomas Schaaf war einer seiner Entdecker. Stürmer Zimin wurde im ersten Jahr mit der U19 des SV Werder Deutscher Meister und spielte noch zwei Jahre in der zweiten Mannschaft. Es folgte für zwei Jahre ein Wechsel in die Regionalliga Nord zum FC Kickers Emden. Fünf Jahre spielte der Rechtsfuß für den SV Wilhelmshaven in der Regionalliga Nord und in der Oberliga Nord und erzielte für Wilhelmshaven mehr als 100 Tore. Es folgte eine Saison beim BV Cloppenburg in der Oberliga Nord. 2009 wechselte Zimin zum FC Würzburger Kickers und traf in dieser Zeit 62 Mal. Seine letzten beiden Treffer in den beiden Relegationsspielen reichten zum Aufstieg der Kickers in die Regionalliga Bayern. Für sein Heimatland Rußland bestritt Zimin 9 U19-Länderspieler (3 Tore) und zwei Spiele mit dem U21-National-Team.

Regionalliga Bayern Spieltag 17

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